Polizei Berlin: Erneut rassistische Chatgruppe

Nach dem brisanten Fall rassistischer Chats und Medien der Polizei Mühlheim/Essen liegen dem ARD-Magazin Monitor nun neue Materialien einer rassistischen Chatgruppe der Polizei Berlin vor. Der Fall schwächt erneut die Position jener, die ein strukturelles Problem der deutschen Polizei kategorisch verneinen.

Die Materialien in den Chats sind von Aussage und Gesinnung nah am vorherigen Fall – zwar wurden hier keine Flüchtlinge in Konzentrationslager ge-photoshopped, stattdessen allerdings “Flüchtlinge mit Vergewaltigern und Ratten gleichgesetzt”, Muslime mit Affen im Speziellen und “Primatenkultur” im Generellen verbunden, und Gewaltphantasien geteilt.

Zugespielt wurde dem Magazin das Material von Polizisten, die sich immer mehr dem verbreiteten Rassismus innerhalb der deutschen Polizei ausgesetzt sehen. Aus Furcht vor Konsequenzen bleiben sie auch anonym. Nach dem Fall der Essener Polizei entfacht dies erneut die Debatte darum, ob es sich hier um ein strukturelles Problem handelt, oder ob die Polizeibeamten rassistischer Gesinnung lediglich Ausnahmen sind. Horst Seehofer wehrte sich erfolgreich gegen die Durchführung einer Studie, die Rassismus innerhalb der Polizei untersuchen sollte – stattdessen kündigte er nun, scheinbar in einem Versuch den Fokus komplett von strukturellen Polizeiproblemen zu entfernen, eine andere Studie an. Diese soll Rassismus in der gesamten deutschen Gesellschaft untersuchen, und so die Polizei aus der Schusslinie nehmen.  Dies ignoriert, dass Vollzugsorgane wie die Polizei eine Vorbildfunktion erfüllen, und Äußerungen rassistischer Vorstellungen dort besonders schwerwiegend sind.

Parallel dazu erhärten sich nun jedoch die Beweise, dass es sich nicht um ‘Einzelfälle’ handelt. Es ist wahrscheinlich dass nach Essen, und nun Berlin, noch weitere Polizisten den Mut haben werden, offenen Rassismus und Racial Profiling anzuprangern. Es handelt sich um ein grundlegendes Problem.

Die Inhalte in dieser Gruppe geben ziemlich deutliche Hinweise darauf, dass sich Menschen, die rassistisch sind, innerhalb der Polizeistrukturen sicher fühlen können

Alice Hasters, Journalistin

Die letzten Entwicklungen machen deutlich, dass externe Untersuchungen nötig sind – die schiere Menge an rassistischem Chatmaterial, sowie die hohe Anzahl involvierter Beamter, macht die Argumentation des ‘Einzelfalls’ untragbar.

Quellen: Tagesschau, Welt.de, Süddeutsche

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.