Hollywood – Von einer kranken Kultur

Schon vor den jüngsten Anschuldigungen um Harvey Weinstein war klar: Hollywood ermöglicht und vertuscht seit Jahrzehnten systematisch sexuellen Missbrauch.

Wenn es um sexuelle Übergriffe in Hollywood geht, egal ob an Erwachsenen, Kindern, Frauen oder Männern, ist kein Mensch der diese Fälle verfolgt hat jemals überrascht. Der Fall Harvey Weinsteins ist nur der jüngste, der die Problematik den Lesern wieder ins Gedächtnis bringt. Schauspieler, ehemalige Kinderstars, Produzenten – viele äußern sich sein Jahren zur Situation in Hollywood, einige haben es sich zum Auftrag gemacht, aufzuklären. Elijah Wood bemerkte, in Hollywood gäbe es mehr Pädophilie als berichtet wird.  Corey Feldman, ehemaliger Kinderstar, versucht seit Jahren die Aufmerksamkeit auf Pädophile in Hollywood zu lenken, die ihn vergewaltigten und missbrauchten. Ebenfalls Kinderstar und Kollege, Corey Haim, sei seit seinem elften Lebensjahr vergewaltigt worden. Das seien keine Einzelpersonen gewesen, sie seien “herumgereicht worden”. Eine Behauptung die kaum glaubhaft wäre, wenn Hollywoods Geschichte von sexuellem Missbrauch nicht so eklatant wäre. Aber Feldmans Aussage wird von mehreren Zeugen bestätigt.

Produzenten und Manager haben in Hollywood teilweise eine Machtstellung, die es den Opfern unmöglich macht, gegen sie vorzugehen. Auch Zeugen müssen die Wahl treffen, auszusagen oder ihrer Karriere “Goodbye” zu sagen. Und das geht schon so lange, dass sich eine Kultur entwickelt hat, die fast systematisch die Ausbeutung von Menschen ermöglicht, die keine Möglichkeit haben sich zu wehren. Die gleichen Voraussetzungen die seit Jahrzenten den Missbrauch von Kindern in Hollywood ermöglichen, ermöglichen auch Fälle wie Harvey Weinstein:

I knew enough to do more than I did. There was more to it than just the normal rumors, the normal gossip. It wasn’t secondhand. I knew he did a couple of these things. I wish I had taken responsibility for what I heard.

Quentin Tarantino

Ein roter Faden zieht sich durch alle diese Fälle: Jeder hat es gewusst. Nicht nur ein offenes Geheimnis, alle im Umfeld der Opfer haben es gewusst und sich Männern ausgesetzt gesehen, deren Macht sie nichts entgegenzusetzen hatten. Darüber hinaus sehen sich Opfer öffentlicher Kritik von Leuten ausgesetzt, die die Täter unterstützen. Als Corey Feldman in einer Talkshow über seinen Missbrauch sprach antwortete Barbara Walters, Journalistin und Moderatorin, “You’re damaging an entire Industry!”

Das ist kein Einzelfall. Die Liste an Schauspielern, denen Vertuschung solcher Taten vorgeworfen wird, ist mittlerweile lang – Matt Damon und Russell Crowe sollen 2004 Druck auf die New York Times ausgeübt haben, einen Artikel über Weinsteins sexuelle Übergriffe nicht zu veröffentlichen. Amy Berg bekam eine Oskar-Nominierung für ihre Dokumentation “Deliver us from evil”, in der sie sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche aufdeckte. Als sie 2014 das gleiche für Hollywood tat, mir ihrer Dokumentation “An open Secret”, wollte niemand den Film veröffentlichen. Sie wurde verklagt, weil sie aufdeckte dass verurteilte Pädophile in Hollywood noch immer direkt mit Kindern arbeiten, ohne ein Nachspiel fürchten zu müssen.

Die Frage “wer hat davon gewusst?” hat sich für Hollywood erledigt. Die richtige Frage ist, wie geht man gegen eine Gemeinschaft vor, die systematisch sexuellen Missbrauch ermöglicht und vertuscht.

 

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