“Finis Germania”- Hetzschrift in Bestsellerliste

Die Bestellerliste des “Spiegel” basiert auf Verkaufszahlen. Eingriffe in die Liste seien aber, laut Chefredaktion, möglich und manchmal nötig. Jüngst wurde das Buch “Finis Germania” vom Autor Rolf Peter Sieferle entfernt. Jetzt rechtfertige die Redaktion ihre Entscheidung.

Eine “völkische Angstphantasie”, “rechtsradikal, antisemitisch und geschichtsrevisionistisch” — das Buch “Finis Germania” stamme von einem durch rechtsextreme Veröffentlichungen geprägten Verlag, einem Verlag der laut führender Experten ein fundamentaler Teil der sogenannten “neuen Rechten” ist. Wie schafft es eine solche Veröffentlichung in die Spiegel Bestsellerliste für Sachbücher?

Die Antwort liegt beim Spiegel selbst. Johannes Saltzwedel, Redakteur beim Spiegel, empfahl das Buch im Rahmen seiner Tätigkeit in der Jury der Bestenliste. Als bekannt wurde, welches Werk der Spiegel hier auf die Bestenliste gesetzt hat, trat zuallererst Jens Bisky, Redakteur der Süddeutschen Zeitung, aus der Jury aus. Der norddeutsche Rundfunk setzte seine Zusammenarbeit mit der Jury bis zur “vollständigen Aufklärung” aus. Alle verbleibenden Mitglieder, bestehend aus Autoren, Journalisten und Wissenschaftlern, sehen sich durch die Aktion diskreditiert.

Die Jury der Bestenliste funktioniert nach einem einfachen Prinzip: Jedes der Mitglieder hat ein monatliches Kontingent von 20 Punkten zur Verfügung die, je nach Geschmack, auf drei bis vier Bücher verteilt werden können. Saltzwedel hat es geschafft “Finis Germania” in die Bestenliste zu bringen, indem er sein volles Kontingent auf ein einziges Buch setzte. Und warum?

Mit der Empfehlung des Buches ‚Finis Germania‘ von Rolf Peter Sieferle habe ich bewusst ein sehr provokantes Buch der Geschichts- und Gegenwartsdeutung zur Diskussion bringen wollen. Sieferles Aufzeichnungen sind die eines final Erbitterten, gewollt riskant formuliert in aphoristischer Zuspitzung. Man möchte über jeden Satz mit dem Autor diskutieren, so dicht und wütend schreibt er. – Johannes Saltzwedel

Saltzwedels Aktion trifft auf Unverständnis, er habe mit seiner Empfehlung nichts erreicht, außer die Jury zu diskreditieren und die Sachbuch-Bestenliste nachhaltig zu schädigen. Auch Spiegel-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer findet die Empfehlung unverständlich.

Ich habe nach der Lektüre der wesentlichen Kapitel kein Verständnis dafür, dass der Kollege Saltzwedel dieses Buch empfohlen hat, und wegen des entstandenen Schadens begrüße ich seinen Rücktritt aus der Jury. – Klaus Brinkbäumer

Rolf Peter Sieferle, den Saltzwedel den “final Erbitterten” nennt, war anerkannter deutscher Historiker, unterstützte sogar die Bundesregierung. Sein Nachlasswerk “Finis Germania” wäre im besten Fall vergessen worden. Eine Platzierung auf der Sachbuch-Bestsellerliste tut seinem Andenken keinen Gefallen.

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