Deutschtürken zwischen Heimat und Neuanfang

Wenige Auswanderer sind so wenig beneidenswert wie Deutschtürken. Nicht genug dass sie ihren eigenen Kompromiss zwischen Assimilation und Tradition finden müssen – nun kommt die eigene Landesregierung an die Tür, und fordert Treue.

Zu Recht wird Erdogan mittlerweile als Diktator betitelt. Er verstärkt seine eigene Position und erodiert demokratische Rechte in einer Art und Weise, wie sie die Welt schon zu oft gesehen hat. Das türkische Militär ist dabei in der einzigartigen Position, verpflichtet zu sein, die Machtergreifung eines Diktators zu verhindern. Dem beugte Erdogan mit einem inszenierten Putsch vor.

Deutschtürken sahen sich in den letzten zwei Generationen ebenfalls in einer einzigartigen Situation. Als Bevölkerungsgruppe wurden sie groß und wichtig, und persönlich wurde der Versuch gemacht, die eigenen Landestraditionen weiter zu tragen. Das ist eine Gratwanderung zwischen Tradition und Assimilation. WIe bei allen Auswanderern wurde interfamiliär die Entscheidung gefällt, inwieweit man sich assimiliert. Doch die Trennung von der Heimat ist unmöglich, wenn ihre Agenten an die eigene Haustür klopfen.

Halter einer doppelten Staatsbürgerschaft haben auch doppeltes Wahlrecht – die Weigerung Deutschland und Europas, Wahlkampf im eigenen Land zu tolerieren, war in den letzten Monaten in allen Medien. Zum Auftakt des Referendums in der Türkei wurden nun viele deutschtürkische Familien von Vertretern ihres Heimatlandes besucht. Ähnlich Geheimdienstoperationen bezüglich der PKK bleibt die Türkei damit ihrer politischen Linie treu: Unreife. Ein Beitritt in die EU wird immer unvorstellbarer.

 

 

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